Ralf Osenberg, Düsseldorf

Ralf Osenberg, Düsseldorf

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Humanismus? Was ist für mich weltlicher Humanismus? Ich denke, er ist wie eine Basis, ein Fundament, auf das ich mein Leben aufbauen kann. Ein diesseitiges Leben. Kein Luftschloss, kein Wolkenkuckucksheim, keine Fata Morgana aus einem wie auch immer geartetem Jenseits.

Trotz Solidität ist das Haus (wie Gebautes im besten Fall immer) lebendig, unterliegt Veränderungen. Hier wird etwas angebaut oder weiter gebaut, da etwas weniger gutes eingerissen. Im Idealfall steht es in guter Nachbarschaft, auch (oder gerade) wenn nicht alle im selben Stil bauen. Leben und leben lassen ist die Grundvoraussetzung einer guten Gemeinschaft. Leider entsteht diese meist nicht von allein, sondern es braucht Menschen, die sich dafür stark machen.

Kerstin Greunke, Brandenburg

Kerstin Greunke, Brandenburg

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Humanismus ist für mich kein abstrakter Begriff, sondern meine Lebensauffassung und somit für mich eigentlich selbstverständlich. Optimistisch war ich schon immer und bereits in jungen Jahren habe ich humanistische Überzeugungen gelebt, ohne mir dessen bewusst zu sein. Dem eigenen Gegenüber Freiraum zu lassen, um sich frei und selbstbestimmt entfalten zu können, ist für mich genauso alltäglich, wie darauf zu achten, dass alle Menschen respektvoll miteinander umgehen.

Mein Herz habe ich an die Kinder- und Jugendarbeit verloren, darum bin ich seit 13 Jahren ehrenamtlich bei den Freidenkern Barnim aktiv.  Ich bin der Überzeugung, dass unsere Kinder und Jugendlichen aktiv, kreativ und unvoreingenommen gegenüber Neuem sind, wenn man ihnen nur kleine Anreize und Möglichkeiten gibt, sich persönlich einzubringen. Mir selbst macht es einfach nur große Freude zu sehen, mit welchem Engagement die kleinen und großen Heranwachsenden sich auch herausfordernden Aufgaben widmen, wenn man sie einen individuellen Teil eines gemeinsamen Projekts sein lässt. Ich halte es darum bis heute mit Herbert Grönemeyer: „Kinder an die Macht“ – und es ist einfach immer wieder schön zu sehen, wie aus den kleinen dann große Menschen werden, deren Leben man ein Stück begleiten und prägen durfte.

Ich weiß natürlich, dass eine humanistische Lebensauffassung nicht für alle Menschen selbstverständlich oder alltäglich ist. Sie ist auch das Ergebnis von gemeinsamen Bemühungen, anderen die Möglichkeit zu geben, sich bewusst machen zu können: Wir besitzen nur dieses eine Leben und darum können und sollten wir den Sinn dieses Lebens selbst bestimmen – rational und kritisch denkend, solidarisch handelnd, mitfühlend und zuversichtlich. Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam diese Überzeugungen und Werte lebendig erhalten, um sie an möglichst viele Menschen neben und nach uns weiterzugeben.

Ines P. Scheibe, Berlin

Ines P. Scheibe, Berlin

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Ein Feiertag wie der Welthumanistentag ist für mich auch ein Anlass, individuell zu reflektieren: Was ist mir wichtig als Humanistin, was sind mir wichtige Werte?

Ich bin Humanistin und mir ist sehr wichtig, dass alle Menschen ein sinnvolles, glückliches und selbstbestimmtes Leben führen dürfen und können. Dazu braucht es soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit und ein gleichberechtigtes Miteinander. Dafür engagiere ich mich.

Zu meiner Lebensauffassung gehört die Überzeugung, dass wir Menschen bei all unserer Individualität und Einzigartigkeit soziale Wesen sind und wir neben der Verantwortung für unser eigenes Leben auch eine soziale Verantwortung für die mit uns auf unserem Planeten lebenden Menschen und für die uns umgebende Natur haben.

Unterschiedliche Interessenlagen zu sehen, sich zu ihnen zu positionieren, sich für einen Interessenausgleich zu engagieren, sind große Herausforderungen. Sie erfordern Einfühlsamkeit und Respekt, Kreativität, Kommunikation sowie die Fähigkeit zu und den Umgang mit Kritik, Kraft und Energie. Diese entstehen und wachsen in unseren gelebten sozialen Beziehungen, unseren Aktivitäten und unserem Handeln mit dem Erleben und Verarbeiten von Erfolgen und Misserfolgen. Und sie können uns menschlich reich, stark und glücklich machen.

Vanessa Boysen und Rainer Sax, Hamburg

Vanessa Boysen und Rainer Sax, Hamburg

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Menschenrechte und Demokratie, um nur zwei Beispiele zu nennen, sind heute für die einen eine Selbstverständlichkeit und für die anderen hohle Phrasen. Es sind hart erkämpfte Konzepte, welche auf Prinzipien beruhen, die vielfach wieder in Vergessenheit geraten sind. Woher kommen diese Werte? Wie sind sie begründet? Welche Rolle spielen sie und sollen sie spielen? All diese Fragen müssen wir immer wieder neu beantworten. Doch Humanismus bedeutet für uns nicht nur Selbstreflexion und klare Überzeugung, sondern auch eine Praxis, ein sichtbares Handeln. Der Humanismus ist für uns daher nicht nur Orientierungshilfe, sondern ein Ideal, das auch dann bestehen und wertvoll bleibt, wenn wir ihm gerade nicht gerecht werden.

Sebastian Bartoschek, Nordrhein-Westfalen

Sebastian Bartoschek, Nordrhein-Westfalen

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Ich bin Humanist. Freiheit ist für mich dabei der wichtigste Wert. Diesen verteidigen Humanisten besonders glaubhaft und konsequent. Jeder darf das Leben führen, das er führen möchte – und gesteht eben dies seinem Nächsten zu. Es ist mir auch wichtig zu sagen: ich brauche keinen Glauben an metaphysische Kräfte, um ein gutes Leben zu führen. Die säkulare Sicht verleiht zudem dem Zwischenmenschlichen und der Natur eine wundervolle, paradoxerweise schon fast magische Seite, weil ich eben nicht davon ausgehe, dass irgendetwas „von oben“ designt wurde. Ich freue mich darüber, dass Menschen heute füreinander eintreten, weltweit, genau das ist auch Humanismus. Was ich mir mehr wünsche, ist, dass wir Humanisten offensiver betonen, dass wir eben nicht primär gegen etwas sind, sondern eigene positive Werte haben, die wir in die Gesellschaft tragen möchten. Ab und an kommen wir da etwas zu verkrampft rüber.

Foto: Angela Aßmuth

Lou Frankenstein, Mecklenburg-Vorpommern

Lou Frankenstein, Mecklenburg-Vorpommern

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Ich mag den Gedanken einer Gemeinschaft, die ohne Konfession auskommt. „Nothing to kill or die for, and no religion too“, singt John Lennon und ich gehe davon aus, dass er, wie ich, nichts gegen die Religion als solche oder gegen religiöse Menschen an sich hat, sondern sich eine Welt wünscht, in der sich Religion nicht negativ auf das Wohl der Menschen auswirkt, indem sie uns in feindliche Gruppen einteilt.

Dabei müssen wir aufpassen, dass wir einerseits nicht einfach ein Gegenstück zu den Kirchen werden und davon ausgehen, dass wir allein Recht haben, auf der anderen Seite müssen die Ideen, die wir vertreten, gelebt und vermittelt werden.

Es geht um Gerechtigkeit und um Toleranz und darum, dass alle Menschen menschenwürdig behandelt werden. Errungenschaften wie die Emanzipation der Frau, Legalisierung der Homo-Ehe, Hilfsangebote für behinderte Menschen und viele weitere Selbstverständlichkeiten müssen weiter gefördert werden.  „You may say I am a dreamer, but I’m not the only one“ – deshalb engagiere ich mich ehrenamtlich, und mehr als das, sehr gerne!

Karina Berg, Brandenburg

Karina Berg, Brandenburg

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Einen Satz, den man im sozialen und ehrenamtlichen Bereich oft hört, ist: „Warum bindest du dir die Zeit und Energie ans Bein? Das dankt dir doch niemand.“ Ich mache es nicht, um große Dankesreden auf meine Person zu erhalten. Ich mache es für die Dankbarkeit, die ich in den Gesichtern der Menschen sehe. Anderen eine Freude zu machen, ist mein Lohn. Die Zeit mit Kindern und Jugendlichen zu verbringen und dabei sein zu dürfen, wenn diese den Weg des Lebens gehen. Ein Teil dessen zu sein und zu unterstützen. Zu sehen, wie sie wachsen und erwachsen werden und selbst immer wieder von ihnen zu lernen. Es ist das schönste, wie ein junger Mensch selbstbestimmt wächst und man dabei sein darf. Manchmal ist man kraftlos und müde und dann blickt man in freudestrahlende Kindergesichter und man sieht die Dankbarkeit, dann weiß man, wofür man diese Anstrengungen auf sich genommen hat. Ein Zitat, das ich einmal irgendwo gelesen habe und einfach alles aussagt, lautet: „Humanismus ist der Glaube an das Gute im Menschen und das Anwenden dieses Glaubens mit einem kühlen Kopf und einem warmen Herzen.“

Ricarda Hinz, Nordrhein-Westfalen

Ricarda Hinz, Nordrhein-Westfalen

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Das Leben ist ein einziges großes Wunder und sowas von phantastisch, dass es mich immer sehr ärgert, wenn jemand versucht, es mir klein zu reden. Seien es Jenseits-Vertreter oder andere Diesseits-Verachter. Im Anthropozän sollte man bzw. frau dringlich den Kopf aus jeglichem ideologischen Sand ziehen, und sich soweit wie möglich informieren, positionieren und engagieren. „Denken Sie selbst, sonst tun es andere für Sie!“ besagt: wer sich jeglicher Position enthält, stärkt damit dummerdings die Position, die er am allerwenigsten eingenommen hätte, weil diese dann proportional besser da steht. Also plädiere ich dafür sich lieber entschieden zu positionieren und dabei fröhlich kritikfähig zu bleiben, so dass eine Meinungs-Korrektur nicht als Fehler, sondern als Gewinn empfunden wird. Quasi als erlebte Evolution der eigenen Meinung. Insofern wünsche ich mir für die säkulare „Community“ in naher Zukunft einen stürmischen Zulauf bekennender Humanistinnen und Humanisten, die diese offene Streitkultur ohne jedes Denkverbot facettenreich beleben und die Menschheit auf viele neue und vor allem humane Ideen bringen werden.

Foto: David Müller-Rico

Petra Schmidt, Hamburg

Petra Schmidt, Hamburg

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Der Welthumanistentag gibt die Gelegenheit, uns an unsere Werte zu erinnern: Nach welchen Werten wollen wir handeln? Wie wollen wir unser Leben gestalten? Was ist uns wichtig? Humanismus sehe ich als eine praktische Lebensorientierung. Die Grundlage des Humanismus ist die Würde jedes einzelnen Menschen. Wie gehen wir mit uns selbst und mit anderen Menschen um? Ein gleichberechtigtes Miteinander heißt, den Menschen selbst die Verantwortung für ihr Denken und Handeln zuzumuten, um ein gutes und erfülltes Leben führen zu können. Dazu gehört, anderen dabei zu helfen, es ebenso zu tun. Deswegen engagiere ich mich ehrenamtlich in einem Freundeskreis, der sich für die didaktische Entwicklung der Kinder eines Entwicklungslandes einsetzt. Unser Motto heißt: Hilfe zur Selbsthilfe. Kinder sind unsere Zukunft. Deswegen unterstütze ich sie gern, damit sie später einmal sich selbst und ihrem Land helfen können. Und wenn sie dann für mich ein Lied singen, ist das doch der schönste Dank.

Stimmen zum Feiertag am 21. Juni